Firefox 5, Opera 11.5, Chrome 12 und Chromebooks: Neuerungen an allen Fronten
Wie ich in meinem letzten Beitrag schon geschrieben habe, ist nichts Weltbewegendes bei der Entwicklung von HTML5 passiert. Dennoch schreitet sie aber unentwegt voran und besonders spannend ist dabei das, was nicht nur in der Theorie existiert (sprich das, was in der WHATWG-Mailingliste diskutiert wird), sondern was tatsächlich schon in der Praxis anwendbar ist. Innerhalb der letzten Wochen sind neue Versionen von Opera, Chrome und Firefox veröffentlicht worden. Dieser Beitrag ist ein kurzes Update zur HTML5-Implementation bei den neuen Browser-Veröffentlichungen:

Bildquelle: Mozilla Blog
- Firefox 5: Nachdem die Veröffentlichung von Firefox 4 immer wieder verschoben werden musste und er schließlich über ein Jahr in Entwicklung war, bevor er Ende März veröffentlicht wurde, hat Mozilla sich zu einem anderen Produktveröffentlichungs-Zyklus entschlossen. Mit dem Rapid-Release-Verfahren will Mozilla schneller und dadurch öfter neue Versionen von Firefox veröffentlichen, sodass voraussichtlich noch dieses Jahr Firefox 7 herauskommen wird. Nun steht aber erst einmal Firefox 5 an, der am Freitag, dem , bereits in der zweiten Beta freigegeben wurde! Neuerungen darin sind:
- Die Unterstützung für CSS Animationen (hier das Video über CSS Transitions & Keyframe Animationen)
- Die Do Not Track-Funktion sendet in einer HTTP-Anfrage die Information, dass der Nutzer nicht getrackt werden will. Sie geht auf den Trackingschutz zurück, den Microsoft als “Web Tracking Protection” zur Standardisierung bei der W3C eingereicht hat, unterscheidet sich aber von dieser. Die Funktion wurde bereits in Firefox 4 eingebaut, in der zweiten Beta von Firefox 5 aber zu Tools > Options > Privacy verschoben, damit der Nutzer sie besser finden kann.
Außerdem ist die Do-Not-Track-Funktion in die gleichzeitig erschienene Beta des Firefox 5 für Android implementiert worden, womit das der erste mobile Web Browser ist, der diese Trackingschutz-Funktion bietet. - Außerdem führt die Liste der neuen Features den vage formulierten Punkt “Verbesserte Unterstützung der Standards HTML5, XHR, MathML, SMIL, und canvas” auf. heise online schreibt, dass die
click-Methode nun für alle Elemente funktioniert, so wie es vom HTML5-Standard vorgesehen ist. Vermutlich sind es also solche relativ kleinen Verbesserungen, die unter dem vage formulierten Punkt zusammengefasst sind.
Außerdem wurde auch der JSON-Parser beschleunigt.
Eine komplette Liste aller Änderungen bietet die Bugliste zu Firefox 5 Beta 2. Allerdings besteht sie aus 1053 Punkten, die obendrein nicht nach Relevanz geordnet sind. Einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen zu gewinnen, wird dadurch schwierig.
- Opera: Genau wie Mozilla hat auch Opera begonnen, Chromes Pfad der schnellen Browserveröffentlichungen zu folgen, um dem Nutzer neue Features schneller verfügbar zu machen. Hatte ich vor ein paar Wochen noch gebloggt, dass Opera 11.10 in der Beta veröffentlicht wurde, sind wir seit Mittwoch bereits bei einer stabilen Version von Opera 11.11. Allerdings lag der Schwerpunkt bei Opera 11.11 auf der Schließung von Sicherheitslücken und das Lösen von Bugs und nicht das Einbauen neuer Funktionen. Spannender ist Opera 11.5, das schon Anfang Mai in einer Alpha-Version erschienen ist. Opera 11.5 wird Swordfish (Schwertfisch) genannt, um metaphorisch die Wendigkeit, Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Stärke herauszustellen. Es gibt drei wichtige neue Features:
- “Opera Next” ist ein developer channel für snapshots, also eine Möglichkeit, die neusten und somit noch nicht finalen Versionen (snapshots) von Opera parallel zu einer stabilen Version von Opera laufen zu lassen. Opera Next lädt automatisch die aktuellsten Versionen herunter und führt sie aus, sodass man immer von den neusten Änderungen Gebrauch machen kann. Dadurch kann es aber sein, dass die Versionen noch Fehler enthalten, weshalb Opera Next vor allem für Entwickler gedacht ist und nicht für Endnutzer.
- “Opera Link” schafft seit Ende 2007 die Möglichkeit, Browserinformationen über mehrere Computer und Geräte hinweg zu teilen, damit man in allen Opera Instanzen jederzeit dieselben Lesezeichen, Einstellungen, Verlauf, etc. zur Verfügung hat. Seit Opera 11.5 gibt es nun auch “password synchronization”, sodass man gespeicherte Passwörter auf mehreren Geräten zur Verfügung hat. Wie Opera das umgesetzt hat ohne dabei die Sicherheit der Passwörter zu gefährden, haben sie in diesem Artikel geschrieben.
- Seit vier Jahren bietet Opera die Schnellwahl-Funktion (Speed Dial), durch die häufig besuchte Webseiten in einer Vorschau auf der Startseite angezeigt werden (wie die “Top-Sites” in Safari oder die “Meistbesuchte Seiten”-Übersicht in Chrome). In Opera 11.5 können diese Vorschauen nun programmiert werden, sodass sie Live-Inhalte anzeigen können (siehe Bild oben). Im Artikel “Opera Speed Dial Extensions erstellen” erklärt Opera, wie man das macht.
- Chrome und Google I/O: Bei Google schafft man es kaum, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Am und fand die alljährliche Google I/O statt, die Google natürlich nutzte, um wichtige Ankündigungen zu machen und um Entwicklern die neuen Webtechnologien nahe zu bringen. Wie immer hat Google alle Sessions als Videos online gestellt, sodass jeder von zu Hause aus nochmal an der Entwicklerkonferenz teilnehmen kann. Peter Kröner hat die spannendsten Videos in einem Artikel zusammengestellt.
- Chrome 12: Das Video oben zeigt die Keynote vom zweiten Tag der Konferenz. Von der Hipness her reichen die Google Keynotes schon fast an die von Apple heran (wirken aber nicht so streng und dramaturgisch durchgeplant).
Ian Ellison-Taylor, Director bei Google und ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter, zeigte Googles Speech Input-Funktion, auf die ich hier bereits in einem Beitrag eingegangen bin, und demonstrierte anschließend die neue Hardwarebeschleunigung in Chrome. Microsoft hat seine Demos, um die Schnelligkeit des Internet Explorers herauszustellen, immer im Kontrast zu Chrome laufen lassen, besonders den FishIE Tank haben sie dazu häufig verwendet. Nun hat Ian Ellison-Taylor genau diese Demo von Microsoft genutzt, um zu zeigen, dass die neue Chrome-Version mindestens so schnell wie der neue IE mit Hardwarebeschleunigung ist. Vergleicht man die Geschwindigkeit der Demo im Chrome ohne Hardwarebeschleunigung mit der Geschwindigkeit der WebGL-Version der Demo im Chrome mit Hardwarebeschleunigung, kann man eine Geschwindigkeitssteigerung um 10 000% erkennen (also bis zu hundert mal schneller).Für mehr Informationen zur Beta von Google Chrome 12 lies den Beitrag dazu im Google-Blog.
- Chrome Web Store: Der Chrome Web Store ist jetzt in 41 Sprachen verfügbar und bietet Entwicklern eine API für In-App Käufe. Im Gegensatz zu Apple, die bei jedem Verkauf über iOS egal welcher Art mit 30% beteiligt sind und dadurch viele App-Anbieter vergraulen, beteiligt sich Google nur mit gerade einmal 5% an den In-App-Verkäufen, sodass 95% des Geldes an die Entwickler gehen.
Als weiteren Seitenhieb auf Microsoft könnte man die Portierung von Angry Birds auf die Web Plattform via HTML5 verstehen. Microsoft hat anlässlich des 30-jährigen PacMan-Bestehens PacMan mit HTML5 nachgebaut und das größte PacMan-Spiel der Welt geschaffen, um damit auch die HTML5-Fähigkeiten ihres Internet Explorer 9 zu zeigen. Google macht dasselbe, allerdings mit einem aktuellen und dadurch komplexeren Spiel und zeigt dadurch, dass Chrome als Plattform mit Betriebssystemen mithalten kann (da es Angry Birds immer nur in nativen Versionen für bestimmte Geräte gab) und stellt einmal mehr die Fähigkeiten von HTML5 unter Beweis. Genauso auch mit dem Interaktiven Musikvideo “3 Dreams of Black“, das mit WebGL umgesetzt ist und in dem der Nutzer sich bewegen kann.
Diese Projekte reizen neue HTML5-Funktionen wie WebGL aus und sollen Aufmerksamkeit auf deren Möglichkeiten lenken. Google, selbst massiv an der Entwicklung von HTML5 beteiligt, will der Welt mitteilen, dass das Web als Plattform nun bereit ist, in Konkurrenz zu herkömmlichen Plattformen zu treten. Mit Projekten wie diesen versuchen sie, dies mitzuteilen und die Attraktiviät der Web-Plattform zu steigern. Und genau das müssen sie auch, denn mit der Attraktivität des Webs als Plattform steht und fällt die Attraktivität ihres Chrome Web Stores und -noch sehr viel kritischer- die des folgenden Produkts.
- Chromebooks: Der Browser als Betriebssystem – Chrome OS wurde vor zwei Jahren angekündigt und seitdem mit Spannung erwartet. Nun hat es seinen Weg in Notebooks geschafft, Chromebooks genannt, die Google auf der Konferenz vorgestellt hat. Bisher bieten Samsung und Acer Chromebooks an. Ab 15. Juni werden sie in sieben Ländern, darunter auch Deutschland, erhältlich sein. Das Betriebssystem sieht tatsächlich genauso aus wie Chrome selbst, nur dass sich in der rechten oberen Ecke Betriebssystem-Elemente wie Uhrzeit und Akkuanzeige befinden.
Google hat dabei sowohl Endnutzer als auch Unternehmen und Schulen als Zielgruppe im Blick. Im Allgemeinen stellt Google als Vorteile gegenüber herkömmlichen Notebooks heraus: Die verkürzte Zeit für das Hochfahren (acht Sekunden, bis man ins Internet kann), die lange Akkulaufzeit (8,5 Stunden beim Samsung-Chromebook), die Standardausstattung mit WLAN und optionaler Ausstattung mit 3G, Cloud-Computing (sämtliche Daten befinden sich in der Cloud und sind somit jederzeit und überall verfügbar, selbst wenn das Chromebook kaputt gehen sollte, sind die Daten noch da), der Chrome Web Store mit Web Apps, die oft auch für Offline-Betrieb gemacht sind, die automatischen Updates im Hintergrund und das Sicherheitskonzept mit Sandboxing und “Verified Boot” (beim Starten wird das Betriebssystem auf Fehler überprüft – sollte es Fehler enthalten wird das fehlerhafte Betriebssystem durch eines ohne Fehler ersetzt).
Unternehmen bietet Google für monatlich 28$ ein “Software and Hardware as a service”-Paket mit Chromebooks, einer webbasierten Konsole zur Verwaltung großer Bestände von Chromebooks, Support via Telefon und E-mail, Garantie und Ersatz von Chromebooks (selbst wenn sie aus Eigenverschulden kaputt gegangen sein sollten) und neue Chromebooks bei Ablauf des Lebenszyklus der alten Chromebooks.
Für mehr Informationen zu Chromebooks, besuche die offizielle Seite, lies den Beitrag im Google-Blog oder schau dir das zwei-minütige Video “Introducing the Chromebook” an.
- Chrome 12: Das Video oben zeigt die Keynote vom zweiten Tag der Konferenz. Von der Hipness her reichen die Google Keynotes schon fast an die von Apple heran (wirken aber nicht so streng und dramaturgisch durchgeplant).

Bildquelle: Opera 11.50 alpha Download Seite
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