Rundumschlag: Mozilla Marketplace, B2G, die Zukunft des Webs, Roadmap für Adobe Flash und mal wieder ein Zwischenbericht zum Stand der Seite
Nach einiger Zeit mal wieder hier ein Beitrag statt auf der facebook-Seite.
Dieser Beitrag ist über verschiedene aktuelle Entwicklungen: Über zwei Mozilla Projekte, eine Analyse, was sie für die Zukunft des Webs bedeuten, über die neue Roadmap, die Adobe für den Flash Player bekanntgegeben hat, und zu guter Letzt nach langer Zeit ein Einblick, wie es momentan mit css3-html5.de und den YouTube-Videos steht.
Da dies ein langer (sehr langer!) Artikel ist, hier eine Übersicht, um direkt zum Abschnitt von Interesse zu springen:
- Mozilla Marketplace und Boot2Gecko
- Die Zukunft des Webs
- Adobe stellt Roadmap für die Zukunft des Flash Players vor
- Update zu css3-html5.de und den YouTube-Videos
Mozilla Marketplace und B2G
Mozilla wird nächste Woche auf dem Mobile World Congress in Barcelona vertreten sein. Dort werden sie den Mozilla Marketplace für Entwickler öffnen: Vom Mozilla Labs Apps project hatte ich schon mal berichtet (der Beitrag ist aber wie viele andere leider verschollen). Es ist Mozillas Vorhaben, Apps anzubieten, die auf offenen Webstandards basieren (HTML5 und alles, was dazu gezählt wird) und dadurch auf der größtmöglichen Zahl verschiedener Geräte und Plattformen funktionieren. Auf diese Weise sollen die Apps “Nutzer-gebunden” sein im Gegensatz zu einer Gerät- oder Plattform-Bindung, wie es aktuell der Fall ist.
Damit die HTML5 Apps im Vergleich mit nativen Apps bestehen können, ist Mozilla aktiv an der Entwicklung neuer APIs beteiligt bzw. entwickelt selbst neue APIs, die den Web Apps mehr Möglichkeiten bieten sollen (wie bspw. Zugriff auf den Ladezustand des Geräts oder eine API, um SMS zu verschicken).
Außerdem wird Mozilla auf dem Mobile World Congress erstmals Boot2Gecko (B2G) vorstellen. B2G ist im Grunde ein Browser in der Position eines Betriebssystems. Es ist also durchaus vergleichbar mit Chrome OS oder Webian Shell. Im Gegensatz zu Chrome OS zielt B2G allerdings auf mobile Geräte ab und nicht Notebooks oder Netbooks.
Auch durch dieses Projekt wird die Entwicklung der Web Plattform gestärkt, da Technologielücken entdeckt und geschlossen werden können.
Mehr Informationen zu den Mozilla Projekten:
- Die offizielle Pressemitteilung von Mozilla
- Blogpost auf dem Mozilla Blog darüber
- Auflistung der mobilen Web APIs, an denen Mozilla aktiv mitarbeitet, im Blog von Brendan Eich
- B2G in der MozillaWiki
- Beitrag darüber, dass Mozilla auf dem MWC B2G vorstellen wird, bei ComputerBase
Die Zukunft des Webs
Beide Mozilla Projekte, aber auch Chrome OS, Webian Shell, webOS, Windows 8 und viele andere Projekte, deuten alle in eine Richtung: Der Browser wird zur Plattform. Web-Anwendungen nehmen die Stellung nativer Programme ein. Die Prognose, die ich letztes Jahr auf der .NET Developer Conference vorgestellt habe (hier leider nur die ersten 20 Minuten meines Vortrags zu sehen), verstärkt sich.
HTML5 mit all den Technologien, die es zusammenfasst (JavaScript, HTML, CSS, WebGL,…), könnte sich zur lingua franca unter den Computertechnologien entwickeln. Obwohl es nicht als universelle Technologie konzipiert war (ursprünglich nur für statische Dokumente), entwickelt es sich aktuell in diese Richtung. Da es nicht für diesen Einsatzzweck vorgesehen war, könnte man den Prozess kritisch beäugen. JavaScript ist nicht die performanteste Sprache, komplexe Layouts mit CSS umzusetzen nach wie vor nicht einfach. Und da Webtechnologien abwärtskompatibel konzipiert werden, schleifen sie jahrelang Altlasten mit sich. Radikale Neuerungen sind dadurch nicht möglich.
Doch dies sind zum anderen auch Vorteile des Webs. Es bietet Stabilität, sodass Webseiten technologisch nicht so schnell obsolet werden.
Die wahre Stärke jedoch ist, dass das Web von Anfang an plattformunabhängig konzipiert war. Das ist nämlich auch der Grund, warum die Entwicklung gerade in den letzten Jahren so an Fahrt aufgenommen hat. Ein kurzer historischer Rückblick, um das zu verstehen und dadurch auch zu erkennen, dass der Hype um HTML5 tatsächlich seine Berechtigung hat:
Vor rund einem Jahrzehnt gab es bloß einen relevanten Browser. Es war ein Browser für Windows-Desktoprechner und hörte auf den Namen “Internet Explorer”. Der IE ruhte sich auf seiner Monopolstellung aus und entwickelte weder sich noch die Webtechnologien ernsthaft weiter. Ganz im Gegensatz zu den alternativen Browsern, die dies taten.
Vor rund einem halben Jahrzehnt waren sie dem IE technologisch überlegen und begannen dadurch, den schlafenden Riesen unter Druck zu setzen und vom Thron zu stoßen. Erstmals seit den Browserkriegen Ende der 90er zeichnete sich wieder ein Konkurrenzkampf unter den Browserherstellern ab. Für die Webtechnologien war das von Vorteil. Die Konkurrenten mussten zusammenarbeiten, um die Webtechnologien weiterzuentwickeln, denn sie mussten Interoperabilität, Cross-Browser-Kompatibilität schaffen, um nicht Entwickler zu vergraulen, auf die sie schließlich angewiesen sind. Nach den Desktopbrowsern kamen die neuen Plattformen. Die Einführung des iPhones (2007) war eine Revolution, da es das mobile Surfen angestoßen hat (es war schon auf vorherigen Smartphones möglich, aber in einer Weise, in der es sich nicht etablieren konnte). Inzwischen werden die mobilen Geräte teilweise mehr genutzt als Desktopcomputer. 2010 machte Apple mit dem iPad dasselbe für Tablets, die es auch vorher schon gab, aber erst seitdem Fuß fassen konnten. Darüberhinaus haben selbst Geräte wie Spielkonsolen mittlerweile einen Browser. Auf Android könnte es auch bald eine Browser-Laufzeitumgebung für Android-Apps geben. Die Reichweite des Webs hat sich in den letzten Jahren enorm vervielfacht. Die Zahl der verschiedenen Plattformen allerdings auch.
Aus einem Browser für eine Geräteart mit einem bestimmten Betriebssystem (IE für Desktoprechner mit Windows), sind inzwischen zig Browser für verschiedenste Gerätearten mit allerlei Betriebssystemen geworden.
Doch genau hier kommt alles zusammen: Auf all diesen Geräten mit ihren unterschiedlichen Systemen gibt es überall Browser. Ein Programm nativ für sämtliche Plattformen und Geräte zu entwickeln ist ein wahnsinnig aufwändiges Unterfangen. Jedoch die Browser zu nutzen, die es überall gibt, und das Programm auf Basis von Webtechnologien zu entwickeln, ermöglicht das Vorhaben schon viel eher.
Es ist somit eine logische Folge, dass es eine Nachfrage danach gibt, Programme auf Basis von Webtechnologien zu entwickeln. Selbst angesichts technologischer Nachteile. Und dieser Nachfrage kommen die Projekte von Mozilla, Google und Co. nach. Es ist also durchaus anzunehmen, dass der Prozess nicht bloß ein Trend ist, der in ein paar Jahren abebbt, oder ein Hype, der niemals greift, wie Google Wave, sondern viel eher der Beginn der Zeitepoche von Web-Anwendungen ist.
Der Browser als Plattform/die Webplattform wird mit solchen Projekten gestärkt. Man darf gespannt sein, was die Zukunft in diesen Bereichen bringen wird.
Adobe stellt Roadmap für die Zukunft des Flash Players vor
Wie ich in einigen Meldungen bereits deutlich gemacht habe, steht Adobe dem Erfolg von HTML5 nicht im Weg. Im Gegenteil, sie beteiligen sich sogar an Standardisierungsprozessen und reichen eigene Entwürfe für CSS3-Module ein. Auch sieht Adobe die Stellung des Flash-Players realistisch und entwickelt nur noch in den Bereichen, wo tatsächlich noch eine Nachfrage besteht. Deshalb haben sie die Entwicklung von Flash für Mobile Geräte bereits letzten November eingestellt. Dieses Vorgehen führen sie nun mit ihrer neuen Roadmap fort, die sie am Dienstag veröffentlicht haben. Hier die übersetzte Summary:
Im letzten Jahrzehnt spielte der Flash Player und, kürzlich, Adobe AIR eine wichtige Rolle im Web, indem sie einheitliche Plattformen boten, um reichhaltige, ausdrucksstarke Inhalte über alle Browser, Desktops und Geräte hinweg anzubieten. Angefangen als Plattform, um Animationen zu ermöglichen, hat sich die Flash Laufzeitumgebung zu einer vollständigen Multimedia Platform entwickelt und Erlebnisse angeboten, die anderenfalls im Web nicht möglich oder praktikabel waren.
Für die Zukunft, glaubt Adobe, dass Flash besonders geeignet ist, um die Spiele- und Premiumvideo-Märkte anzusprechen, und wird seine Entwicklungsbemühungen auf diese Bereiche fokussieren. Gleichzeitig wird Adobe architekturelle und sprachen-bezogene Änderungen der Laufzeitumgebung vornehmen, um sicherzustellen, dass die Flash runtimes richtig positioniert sind, um die reichhaltigsten Erfahrungen im Web und auf allen mobilen Geräten für eine weitere Dekade zu ermöglichen.
Update zu css3-html5.de und den YouTube-Videos
Da es inzwischen über ein Jahr her ist, dass ich einen Zwischenbericht zum Stand der Seite und der YouTube-Videos abgegeben habe, wollte ich das mal wieder tun. Denn obwohl ich hier kaum aktiv bin und seit dem HTML5 Workshop leider auch keine neuen HTML5-bezogenen Videos mehr hochgeladen habe, hat sich einiges getan. Ohne mein Zutun und ohne aktuelle Posts sind die Besuche auf der Webseite tatsächlich gestiegen.
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Innerhalb des letzten Monats gab es über 15.000 Seitenaufrufe. Seit Existenz der Webseite wurden 57.323 Eindeutige Besucher verzeichnet und 97.466 Besuche.
Auch bei YouTube sieht es großartig aus. Trotz fehlender neuer Videos verzeichnet mein Kanal inzwischen über eine Viertelmillion Videoaufrufe und bald 700 Abonnenten. Auf facebook dagegen sind die 700 längst erreicht, dort gibt es bereits 761 interessierte Leser, die Updates erhalten.
Alles in allem Zahlen, mit denen ich nie gerechnet hätte. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder eine neue Videoreihe hinkriege, da ich einige Ideen dafür habe (JavaScript-Einführung, Canvas 2D, WebGL,…). Ich kann jedoch noch nichts versprechen.
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